Kirschplantage Plessa

Eine Streuobstwiese mitten im Wald – und dazu auf einem ehemaligen Bergbaustandort. Die Kirschplantage nördlich von Plessa ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Lern- und Forschungsort. Das Gebiet in der Liebenwerdaer Heide umfasst mehr als 14 Hektar. Hier wachsen alte Süßkirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume, von denen sich viele weitgehend ungestört entwickeln konnten.

Ein außergewöhnlicher Standort

Besonders ist jedoch nicht nur die Größe der Fläche. Während andere Streuobstwiesen häufig von intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen umgeben sind, liegt die Kirschplantage vollständig innerhalb eines größeren Waldgebietes.

Noch außergewöhnlicher wird der Standort durch seine Geschichte: Die Fläche, als auch der angrenzende Wald, gehören zu einer Bergbaufolgelandschaft, die ab den 1940-ern rekultiviert wurde. Der Boden besteht aus sogenanntem Kippsubstrat – einem Material, das im Zuge des Braunkohleabbaus bewegt und anschließend wieder abgelagert wurde. Die Kirschplantage wurde 1957 angelegt. Damit handelt es sich möglicherweise um eine der frühesten Streuobstwiesen auf einer Bergbaukippe Deutschlands.

Ein alter Kirschbaum mit erheblichem Anteil an Totholz und Rindentaschen

mitforschen und entdecken

Heute bietet die Fläche die Möglichkeit, zu beobachten, wie sich ein vom Menschen geschaffener Standort über Jahrzehnte entwickelt und zu einem wertvollen Lebensraum werden kann.

Alte Obstbäume, Totholz und natürliche Entwicklungsprozesse schaffen zahlreiche Strukturen für Pflanzen, Tiere und Pilze. Gleichzeitig ist die Fläche als Streuobstwiese gesetzlich geschützt. Die Kirschplantage macht damit sichtbar, wie Naturschutz, Landschaftsgeschichte und menschliche Nutzung miteinander verbunden sind.

Hinweis: Die Fläche ist Eigentum des Landesbetriebes Forst Brandenburg und wird wirtschaftlich genutzt, weshalb das private Sammeln von Obst nicht gestattet ist. 

Steckbrief

Kirschplantage Plessa

Fläche: 14,5 ha (davon rund 10 ha Halboffenland)

Baumbestand

(alle Bäume mit Brusthöhendurchmesser (BHD) ≥ 7cm)

Alter: Altbestand rund 80 Jahre, zahlreiche Nachpflanzungen und Wildwuchs

Baumdichte: 226 Bäume/ha

Mittlere Höhe: 8,1m

Mittlerer BHD: 16,4 cm

Arten und Mengen Baummikrohabitate

Dichte: 200/ha

Verjüngung/Unterstand      

(in großen Teilen der Fläche liegen dichte Gehölzformationen vor, die Waldrändern, Hecken oder einen aufkommendem Pionierwald entsprechen)

Stadium: Anwuchs bis starkes Stangenholz

Baumarten:Stiel-Eiche, Weißdorn, Wald-Kiefer, Winter-Linde, Kultur-Birne, Süßkirsche, Sand-Birke, Roter Hartriegel, Haselsträucher, Schlehdorn, Feld-Ahorn, Eschen-Ahorn, Spitz-Ahorn, Schwarz-Erle, Berg-Ahorn, diverse Pappel-Arten (und Hybride), diverse Weiden-Arten, Gemeiner Flieder, Hainbuche, Spätblühende Traubenkirsche, Robinie, Hunds-Rose, Liguster

Deckungsgrad: 40%

Standort

Bodenart:tonig, schluffiger Lehm

Nährkraftstufe: mäßig nährstoffreich bis kräftig (kalkhaltig)

Feuchtestufe:mäßig speichertrocken bis haftfrisch

Besonderheiten:sehr heterogener Kippenstandort, humusreich im Oberboden

Rechtliche Punkte

Eigentümer: Landesbetrieb Forst Brandenburg

Nutzung: verpachtete Fläche, wirtschaftlich genutzt

Schutzstatus: geschütztes Biotop (Streuobstwiese)